Bundeskanzler Christian Stocker hat die Eurofighter-Debatte um die Drohnenabwehr neu angefacht. Mit dem Satz, man werde „mit Abfangjägern nicht auf Drohnen schießen können“, stellte er den Kampfjet als begrenzt tauglich gegen unbemannte Fluggeräte dar. Fachlich ist das so pauschal jedoch zu kurz gegriffen: Eurofighter sind nicht als Spezialwaffe gegen Kleindrohnen gedacht, können aber sehr wohl Teil einer umfassenden Luftverteidigung sein.
Der Kern des Streits liegt in der Frage, wofür Österreich seine teuren Abfangjäger braucht. Der Eurofighter ist in erster Linie für die Luftraumüberwachung und den Einsatz gegen schnelle, bemannte Flugziele ausgelegt. Gegen kleine, langsam fliegende Drohnen wäre ein solcher Jet im Regelfall ein teures und unpraktisches Mittel. Gleichzeitig folgt daraus nicht, dass er in einer modernen Luftverteidigung nutzlos wäre. Gerade bei größeren, schnelleren und höher fliegenden unbemannten Systemen bleibt der Kampfjet ein relevantes Element – allerdings nur im Zusammenspiel mit Radar, Boden-Luft-Systemen und elektronischer Abwehr.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass Drohnen die Luftverteidigung tatsächlich verändert haben. In den Konflikten in der Ukraine und im Nahen Osten spielen sie als Aufklärungs- und Angriffswaffen eine wachsende Rolle. Gleichzeitig haben viele Staaten ihre Abwehrsysteme angepasst, weil klassische Kampfjets gegen große Mengen kleiner Ziele wirtschaftlich kaum sinnvoll einsetzbar sind. Stattdessen rücken Frühwarnung, Störsender, Abfangdrohnen und kurze Reaktionszeiten stärker in den Mittelpunkt.
Für Österreich ist das Thema auch innenpolitisch heikel. Die Republik setzt bei der Sicherung ihres Luftraums seit Jahren vor allem auf den Eurofighter. Die Debatte darüber, ob und wie die Flugzeuge modernisiert oder ergänzt werden sollen, begleitet die Sicherheitspolitik seit langem. Stockers Aussage trifft daher einen wunden Punkt: Sie verweist auf die Grenzen des Systems, lässt aber außer Acht, dass Luftverteidigung heute mehr als nur der Einsatz eines einzelnen Waffentyps ist.
Genau darin liegt der Irrtum. Nicht der Eurofighter als solcher ist das Problem, sondern die Vorstellung, er könne allein die Antwort auf neue Bedrohungen wie Drohnen liefern. Wer über moderne Verteidigung spricht, muss über ein abgestuftes System reden – und nicht nur über einen Kampfjet.









