Die steirische Industriellenvereinigung (IV) drängt vor der Gemeinderatswahl in Graz auf eine wirtschaftsnahe Standortpolitik und hat dazu einen Maßnahmenkatalog mit fünf Punkten vorgelegt. Ziel sei es, die Landeshauptstadt stärker als Forschungs- und Industriestandort zu positionieren und international sichtbarer zu machen.
Am 28. Juni wird in Graz ein neuer Gemeinderat gewählt. Die IV verbindet ihren Appell mit der Forderung, dass die künftige Stadtregierung die wirtschaftliche Entwicklung stärker in den Mittelpunkt rückt. Graz werde aus Sicht der Industrie bislang zu wenig als Industriestadt wahrgenommen, obwohl dort rund 30.000 Menschen direkt in der Industrie beschäftigt seien, sagte IV-Präsident Kurt Maier.
Nach Angaben der IV kommt auf die Stadt auch wirtschaftlich einiges zu: Zwischen 2015 und 2024 sei die Kommunalsteuer in Graz um 59 Prozent gestiegen. Das wird von der Interessensvertretung als Hinweis darauf gewertet, dass die Stadt als Standort an Bedeutung gewonnen hat. Gleichzeitig pocht die IV auf ein klareres Zukunftsbild, das Forschung und Industrie gemeinsam denkt.
Fünf Forderungen an die künftige Stadtpolitik
Der vorgestellte Katalog setzt auf mehrere Hebel: eine stärkere internationale Positionierung, eine modernere Stadtverwaltung, schnellere Genehmigungsverfahren sowie mehr Kooperation mit Umlandgemeinden und Clusterorganisationen. Als Vorbilder nennt die IV unter anderem Nürnberg und Eindhoven. Auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark wird als notwendig gesehen.
IV-Geschäftsführer Christoph Robinson verweist auf eine Analyse von Joanneum Research, die für den Industriestandort Graz Potenzial aufzeige. Besonders kritisch sieht er die langen Verfahrensdauern bei Genehmigungen. Der Kontakt zwischen Wirtschaft und Stadt sei aus seiner Sicht bisher oft nur eine „Einbahnstraße“.
Aus der ÖVP meldete sich Stadtrat Kurt Hohensinner zu Wort. Graz brauche ein gemeinsames Zukunftsbild, sagte er in einer Aussendung. Die Stadt habe gute Voraussetzungen, darunter starke Unternehmen, Forschung und mit der Koralmbahn zusätzliche Chancen. Statt Aufbruch und Gestaltungswillen erlebe man aber seit Jahren zu oft Verwaltung statt Gestaltung.









