Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Fünf Jahre ohne größere Eingriffe in der Südtirolersiedlung Hard

Redaktionelle Szene zum Thema „Fünf Jahre ohne größere Eingriffe in der Südtirolersiedlung Hard“

In der Südtirolersiedlung Hard werden in den kommenden fünf Jahren nur Erhaltungsarbeiten vorgenommen. Die Vorarlberger gemeinnützige Wohnbaugesellschaft VOGEWOSI will in dieser Zeit kein neues Sanierungskonzept umsetzen und auch keine grundlegenden Änderungen an der Anlage vornehmen. Bis dahin soll ein Gesamtkonzept für die Zukunft der Siedlung gefunden werden.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der viele der Wohnungen schwer vermietbar sind. In der Siedlung aus den 1940er-Jahren stehen derzeit 19 der 73 Wohnungen leer. Laut VOGEWOSI fehlen für eine Sanierung auf zeitgemäße Standards die finanziellen Grundlagen. Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz sagte, ohne öffentliche Mittel sei eine umfassende Erneuerung nicht machbar.

Wohnanlage aus den 1940er-Jahren vor Grundsatzentscheidung

Die Südtirolersiedlungen in Vorarlberg gelten insgesamt als sanierungsbedürftig. Sie wurden in den 1940er-Jahren möglichst kostengünstig errichtet, teils mit weniger hochwertigem Baumaterial. Das macht sich heute bei Erhaltung und Vermietung bemerkbar. Gleichzeitig sind die Wohnungen für viele Interessenten wenig attraktiv, weil moderne Standards wie Zentralheizung, Balkon, Lift oder Tiefgarage fehlen.

Nach Angaben der VOGEWOSI ist eine Sanierung einzelner Wohnungen ohne Zukunftskonzept für die gesamte Anlage nicht sinnvoll. In den nächsten fünf Jahren sollen deshalb nur jene Arbeiten durchgeführt werden, die für Sicherheit und Substanzerhalt notwendig sind. Darüber hinaus sind keine Verbesserungen vorgesehen.

Die Bewohnerbefragung, die gemeinsam mit Gemeinde und VOGEWOSI geführt wurde, zeigt zugleich eine hohe Bindung an die Siedlung. Die durchschnittliche Mietdauer liegt bei rund 50 Jahren, das älteste Mietverhältnis besteht seit der Gründung 1943. Rund 80 Prozent der Befragten wollen auch weiterhin in ihrer Wohnung bleiben. Zehn Prozent planen bereits einen Auszug, weitere zehn Prozent würden nur bei verbessertem Wohnstandard bleiben.

Gute Nachbarschaft, aber klare Wünsche nach Modernisierung

Besonders positiv bewertet wurden laut Befragung die gute Nachbarschaft, die Grünflächen, die Lage und die leistbaren Mieten. Kritisch gesehen werden vor allem die Außenfassade, fehlende Zentralheizungen, Balkone, eine bessere Isolierung und Schalldämmung sowie mehr Sitzgelegenheiten im Freien.

Harder Bürgermeister Martin Staudinger (SPÖ) verwies auf die soziale Bedeutung der Siedlung. Leistbare Mieten und eine funktionierende Nachbarschaft schafften Sicherheit und erhöhten die Lebensqualität, sagte er. VOGEWOSI und Gemeinde wollen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern im Gespräch bleiben und das spätere Gesamtkonzept auch kommunizieren.

Für viele der Bewohner ist die Anlage vor allem im Alter wichtig. Vor allem ältere Menschen, Ein- und Zweipersonenhaushalte prägen das Bild. Die meisten leben dort seit Jahrzehnten und wollen nach Möglichkeit bleiben. Wie es nach Ablauf der Fünfjahresfrist weitergeht, soll erst das noch auszuarbeitende Konzept zeigen.

Diesen Artikel teilen