Der Islamtheologe Mouhanad Khorchide plädiert dafür, stärker über muslimische Männer und ihr Rollenbild zu sprechen. Aus seiner Sicht greift Integration zu kurz, wenn das Männerbild ausgeblendet wird. Khorchide verbindet das mit der Kritik an einer Haltung, die Härte mit Stärke verwechselt.
Im Zentrum seiner Überlegungen steht die Frage, welche Vorstellungen von Männlichkeit in religiösen und gesellschaftlichen Kontexten weitergegeben werden. Als Beispiel nennt Khorchide einen Buben, der sich weigert, seinen Teller wegzuräumen, und sagt: „Ich bin kein Mädchen.“ Für den Wissenschafter steckt in diesem Satz nach eigener Darstellung eine ganze Geschlechterordnung.
Khorchide beschreibt damit ein Problem, das er nicht nur als theologisches, sondern auch als gesellschaftliches sieht. In seinem Buch „Jenseits der Härte. Warum der Koran keine Machos kennt“ setzt er sich mit gekränkter Männlichkeit, islamistischen Influencern und dem Bild von Stärke auseinander, das aus seiner Sicht zu oft auf Abschottung und Dominanz hinausläuft.
Der an der Universität Münster lehrende Theologe tritt seit Jahren für eine liberale Lesart des Islams ein. In der aktuellen Debatte rückt er nun die Rolle muslimischer Männer in den Vordergrund und fordert, dass religiöse Erziehung und Integrationsarbeit diese Frage nicht länger ausklammern.









