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Dunkle „Carmen“ sorgt in Salzburg für intensive Festspielpremiere

Redaktionelle Szene zum Thema „Dunkle „Carmen“ sorgt in Salzburg für intensive Festspielpremiere“

In Salzburg hat eine düstere, stark verdichtete Neuinterpretation von Georges Bizets Oper „Carmen“ für einen der markantesten Opernabende der Festspielzeit gesorgt. Regisseurin Gabriela Carrizo und Dirigent Teodor Currentzis setzen das Werk auf der Bühne und im Orchestergraben auf extreme Spannung, Gewichtung und Zuspitzung. Im Zentrum steht Asmik Grigorian als Carmen.

Die Produktion verlegt den Fokus deutlich weg von einer leichtfüßigen Opernexotik hin zu einem psychologisch verdunkelten Musiktheater. Carrizo und Currentzis lesen Bizets Stück nicht als farbenreiche Liebesgeschichte, sondern als Konflikt um Macht, Begehren und Gewalt. Das Ergebnis ist ein Abend, der bewusst keine gefällige „Carmen“ sein will, sondern die Oper mit zusätzlicher Bedeutung auflädt.

Gerade dieser Zugriff ist heikel, weil er die bekannte Vorlage stark umformt und immer wieder an die Grenze der Überdeutung führt. Der Abend wirkt damit nicht in jeder Phase gleichermaßen stimmig. Vor allem die erste Hälfte verlangt dem Publikum einiges an Geduld ab, weil die szenische und musikalische Dichte die Handlung zeitweise überlagert.

Umso stärker fällt die zweite Hälfte aus. Dort findet die Inszenierung ihren Zugriff und gewinnt jene suggestive Kraft, die dem Abend schließlich den Ausschlag gibt. Die Spannungsführung greift besser ineinander, die Zeichnung der Figuren wird klarer, und die Produktion entfaltet die Intensität, die ihr Konzept verspricht.

Asmik Grigorian prägt den Abend in der Titelrolle mit einer Präsenz, die der radikalen Lesart Halt gibt. In Salzburg gehört „Carmen“ damit zu jenen Festspielproduktionen, die nicht auf Wohlgefallen zielen, sondern das bekannte Repertoirewerk bewusst gegen den Strich bürsten. Dass das Resultat nicht in jeder Minute überzeugt, mindert den Eindruck einer insgesamt eindringlichen und bemerkenswerten Aufführung nur teilweise.

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